FAQ | FAQ Tarife (SwissDRG)

FAQ SwissDRG, Tarifkommission der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin, SGI-SSMI

Seit 2012 erfolgt in der Schweiz die Spitalfinanzierung über ein Fallpauschalen-System „swissDRG“. Die Kliniker sind seither noch mehr in die Fragen der Finanzierung involviert, womit der Informationsbedarf deutlich gestiegen ist. Die Tarifkommission der SGI-SSMI möchte seinen Mitgliedern und anderen Interessierten eine Möglichkeit bieten, angesichts der schwierig zu überschauenden Tarifstruktur drängende bzw. häufig wiederkehrende Fragen einfach verständlich zu beantworten. Diese FAQ-Site wird in regelmässigen Abständen durch die Mitglieder der SGI TK überarbeitet. Weiterführende Fragen richten Sie bitte an: tarife@imk.ch.

Allgemeines zu SWISS DRG

Q: who is who im swissDRG?

Bei der swissDRG AG handelt es sich um eine gemeinnützige Aktiengesellschaft, welche geschaffen worden ist, um die Umsetzung der seit 2007 geltenden gesetzlichen Regelung der Spitalfinanzierung zu gewährleisten. Die swissDRG setzt sich zusammen aus Vertretern wesentlicher „Player“ im Gesundheitswesen: GDK (Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und –direktoren), H+ (nationaler Verband der öffentlichen und privaten Spitäler der Schweiz), santésuisse (Branchenverband schweizerischer Krankenversicherer), MTK (Zentralstelle für Medizinaltarife UVG als Vertreter der obligatorischen Unfallversicherung) sowie die FMH (Berufsverband der Schweizerischen Ärztinnen und Ärzte).

Kernaufgabe der SwissDRG ist die Erarbeitung bzw. kontinuierliche Weiterentwicklung des Schweizer Fallpauschalen-Systems, welches per Beginn 2012 flächendeckend umgesetzt worden ist. Über die detailierte Arbeits- und Funktionsweise der swissDRG AG bzw. des swissDRG-Systems informiert die entsprechende Website.

Spitäler und das Bundesamt für Statistik sind primäre Lieferanten der für die Pflege und Weiterentwicklung relevanten Leistungsdaten.

Die Tarifkommission der SGI-SSMI gilt wie andere Vertreter der jeweiligen Fachgesellschaften als Ansprechpartner für die swissDRG bei Fragen zur Weiter-Entwicklung des Systems.

(Dr. P. Vanek, 30.06.2014, Chur)


MECHANISCHE BEATMUNG

Q: Was kann als mechanische Beatmung subsumiert werden?

Grundsätzlich wird jede Form der mechanischen Beatmung berücksichtigt. Dies gilt auch unabhängig davon, ob die Beatmung über einen Tubus oder über ein Maskensystem sichergestellt wird.

Die Einzige Ausnahme dazu ist die „reine“ CPAP-Beatmung, d.h. die Anwendung von kontinuierlichem positivem Atemwegsdruck ohne irgendwelche zusätzliche Druckunterstützung während der Inspiration. Diese Einschränkung gilt allerdings nicht für CPAP bei Neugeborenen. Diese letztere Beatmungsform wird ebenfalls als Beatmung gezählt.

Ergänzende Informationen finden Sie im in der aktuellen Jahresversion des „Kodierungshandbuches (Offizieller Leitfaden der Kodierrichtlinien, herausgegeben durch das BFS). (Prof. H.U. Rothen, 06/2014, Bern)

Q: Wie wird die mechanische Beatmung quantifiziert?

Die Beatmung wird berechnet auf Basis der Pflegeschicht. Typischerweise dauert eine solche Pflegeschicht 8 Stunden (3-Schichten Tag), vereinzelt auch 12 Stunden (2-Schichten Tag).

In einem ersten Schritt wird dokumentiert, wie viele Schichten mit Beatmung ein Patient hat. Als Schicht mit Beatmung wird jede Schicht gezählt, in der ein Patient mehr als 2 Stunden beatmet wird (für 12-Stunden Schicht beträgt diese Minimum 3 Stunden).

Die „Beatmungsdauer“ wird anschliessend berechnet als: Anzahl Schichten mit Beatmung x 8 Std. (respektive x 12 Stunden bei 12-Stunden Schichten).

Beispiel: Ist ein Patient während 3 Schichten beatmet, berechnet sich die „Beatmungsdauer“ mit: 3 x 8 Std. = 24 Std. (Prof. H.U. Rothen, 06/2014, Bern)

Q: In welchen Einrichtungen kann die mechanische Beatmung codiert werden?

Beatmung kann dann Kodiert werden, wenn sie in einer durch die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) als Intensivstation anerkannt ist. Die Liste der SGI-Anerkannten Intensivstationen wird regelmässig aktualisiert und auf www.sgi-ssmi.ch publiziert (Qualität > Anerkannte IS > Liste der Anerkannten IS). (Prof. H.U. Rothen, 06/2014, Bern)

Q: Wer darf eine mechanische Beatmung durchführen bzw. codieren?

Eine Beatmung darf nur dann für SwissDRG Kodiert werden, wenn diese gemäss Vorgaben im Kodierungshandbuch durchgeführt wird. Patienten die keiner intensivmedizinischer Versorgung bedürfen (z.B. bereits vorbestehende Heimbeatmung, jetzt Aufnahme zur geplanten Chemotherapie), zählen nicht hierzu.

Im Weiteren ist zu beachten, dass die "intensivmedizinische Versorgung" sichergestellt sein muss. Diese muss nachvollziehbar dokumentiert sein (Überwachung, Beatmungsprotokolle, usw.) und sie setzt entsprechende räumliche und personelle Ausstattung voraus. Dies ist in anerkannten Intensivstationen gewährleistet, nicht aber in IMC und Aufwachräumen. (Prof. H.U. Rothen, 06/2014, Bern)


ECMO, ASSIST DEVICE UND ÄHNLICHE VERFAHREN

Q: Warum sind ECMO, Assist device und ähnliche Verfahren im CHOP 2012 unter zwei verschiedenen Ziffern klassifiziert (37.6 ff sowie 39.6 ff)?

Der CHOP-Katalog ist historisch gewachsen. Kapitel 37.6 ff befasst sich ausgehend von der Herztransplantation (37.5) mit eigentlichen Herzersatzsystemen, intrathorakalen und extrathorakelen Pumpensystemen sowie der intraortalen Ballonpumpe  (IABP). Kapitel 39.6 ff beinhaltet - ausgehend von der intraoperativen Herz-Lungen-Maschine (HLM) - die peri- und postoperative ECMO und eine Reihe weiterer das Herz- und/oder die Lungen-unterstützende Systeme. Teilweise überschneiden sich die beiden Kapitel, teilweise werden spezifische, heute nicht mehr gebräuchliche oder obsolete Bezeichnungen verwendet (Beispiel PECLA).

Auf Initiative der SGI-SSMI haben sich die involvierten Fachgesellschaften (Herzchirurgie, Kardiologie) auf eine konsistentere Klassifizierung unter 37.6 ff geeinigt. Diese wird erstmals im CHOP-Katalog 2015 zur Anwendung kommen. (Prof. Ch. Haberthür, 30.06.2014, Zürich)

Q: Begriffsvielfalt und Begriffswirrwarr: Warum keine einheitlichere und vor allem konsistentere Klassifizierung?

siehe oben

Q: Wie kann ein ECMO-Verfahren im weiteren Sinne kodiert werden?

Die Frage wird beantwortet, sobald CHOP 15 publiziert ist (ca. 31.7.2014) (Prof. Ch. Haberthür, 30.06.2014, Zürich)


INTERMEDIATE CARE UNITS, IMCU

Q: Wann kann mit einer DRG-relevanten Codierung für Behandlung auf einer IMCU gerechnet werden?

Per Beginn 2014 wurden die Schweizerischen IMC Richtlinien von neun Fachgesellschaften respektive Dachorganisationen verabschiedet und für die Umsetzung freigegeben. Im CHOP-Katalog 2016 ist die Komplexbehandlung in einer IMCU als eigenständiges Element aufgeführt (s. hier, 99B8.1ff). Gemäss Fallpauschalenkatalog zu SwissDRG 6.0 wird die IMCU-Komplexbehandlung ab 01.01.2017 auch berücksichtigt bei der Kalkulation von Fallpauschalen (vgl. z.B. DRG A 90.A / B).

Seit dem 1.1.2017 existiert die Erfassung der Variable IMC im neuen Schnittstellenkonzept.

 

 

IMK AG